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Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

01.03.2018 - Artikel

Die Entwicklungszusammenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil in den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Jordanien.

Einführung

Jordanien (Bevölkerung: 9,5 Mio. – Zensus 2015) gehört zur Gruppe der Länder mit niedrigerem mittlerem Einkommen (3.920 USD pro Kopf in 2016). Jordanien verfügt über wenig natürliche Ressourcen (Phosphat, Pottasche und Ölschiefer) und sehr begrenzte landwirtschaftliche Nutzflächen (11,9%). Das Land leidet unter großer Wasserarmut. Jordaniens Wirtschaft ist eng mit denen seiner Nachbarn, vor allem in der Golfregion, verflochten. In den ersten drei Quartalen 2018 lag das Wirtschaftswachstum nur bei 2%, die Arbeitslosigkeit weiterhin bei mindestens 18% (mit einer weitaus höheren Quote für Frauen und Jugendliche). Ressourcenarmut sowie die Abhängigkeit von ausländischen Geberleistungen und Rücküberweisungen von Auslandsjordaniern machen Jordanien anfällig für externe Schocks.

Herausforderungen

Die politische, wirtschaftliche und soziale Situation Jordaniens wird stark von der Syrienkrise und anderen regionalen Entwicklungen überschattet. Die Konflikte in Syrien und Irak haben zu einem Einbruch von Handel und Wirtschaftswachstum geführt, vor allem aber zu einem starken Zustrom an Flüchtlingen. Rund 673.000 beim UNHCR registrierte syrische Flüchtlinge (Stand: Dezember 2018) bedeuten eine erhebliche Belastung für den jordanischen Staat und die jordanische Bevölkerung. Rund 78,5% der Flüchtlinge leben nicht in Flüchtlingslagern, sondern in aufnehmenden Gemeinden und konkurrieren dort mit unteren Einkommensschichten der lokalen Bevölkerung um Wasser, Wohnraum, Arbeitsplätze und soziale Dienstleistungen wie Schulbildung und Gesundheitsversorgung. Die Auswirkungen des Flüchtlingsstroms auf den Staatshaushalt, das soziale Gefüge, die Wirtschaft und die Infrastruktur sind spürbar. Staatliche Dienstleistungen, wie z.B. die Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge können nicht mehr vom Staat finanziert werden.

Neuzusagen 2018 in Mio EUR
Neuzusagen 2018 in Mio EUR © Botschaft Amman

Deutsche Zusammenarbeit in Jordanien

Seit 1959 arbeitet Deutschland in enger Partnerschaft mit Jordanien. Der erste Bereich der Zusammenarbeit war der Wassersektor. Seit Beginn der Syrienkrise hat Deutschland seine Unterstützung auf v.a. Bildung, Beschäftigungsförderung und die humanitäre Hilfe ausgeweitet. Neben dem Schwerpunkt Wasser richtete Deutschland deshalb im Jahr 2015 einen neuen Schwerpunkt Bildung / Beschäftigungsförderung in der Entwicklungszusammenarbeit ein. In jährlich stattfindenden Regierungsverhandlungen zwischen Deutschland und Jordanien werden aktuelle politische Themen besprochen und neue Zusagen gemacht.

Entwicklungszusammenarbeit des BMZ

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) arbeitet in Jordanien mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ GmbH), der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und anderen Organisationen wie dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), dem Welternährungsprogramm (WEP) und der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zusammen. Das gesamte mehrjährige Portfolio ist zwischenzeitlich auf 1.444,21 Mio. EUR und 92 Projekte angewachsen und auf folgende Bereiche aufgeteilt:

Wasser - Portfolio: 1060,21 Mio. EUR, 56 Projekte, z.B

  • Sektorgovernance und Ressourcenmanagement
  • Wasserversorgung
  • Abwassermanagement und -aufbereitung
  • Energie und Klimawandel

Abfallwirtschaft – Portfolio: 26,9 Mio. EUR, 5 Projekte, z.B.

  • Abfallmanagement
  • Recycling

Bildung - Portfolio: 108,77 Mio. EUR, 8 Projekte, z.B.

  • Schulbau / –rehabilitierung / - instandhaltung
  • In-/formelle Bildung (UNICEF)
  • Schulessen (WFP)

Beschäftigungsförderung - Portfolio: 112,6 Mio. EUR, 14 Projekte, z.B.

  • Arbeitsmarkt-Dienstleistungen
  • Export-Förderung
  • Stipendien
  • Berufsbildung
  • Arbeitsintensive Programme im Rahmen der Partnership for Prospects (P4P) (z.B. durch ILO)

Gestaltungsspielraum, z.B. Umwelt und Energie - Portfolio: 135,73 Mio. EUR, 9 Projekte, z.B.

  • Umweltschutz und Erhalt der Biodiversität
  • Energie (z.B. Photovoltaik-Anlagen)
  • Psychosoziale Unterstützung
  • Finanzielle Inklusion

Humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amts

In der humanitären Hilfe arbeitet das Auswärtige Amt (AA) eng mit den Vereinten Nationen sowie mit Nicht-Regierungsorganisationen (NROs) zusammen. Die größten Implementierungspartner sind derzeit:

WFP - Gesamtvolumen 2018:
      75 Mio. EUR
UNHCR – Gesamtvolumen 2018:                       
 45,81 Mio. EUR
IKRK – Gesamtvolumen 2018:
        6 Mio. EUR
NRO’s – Gesamtvolumen 2018:
    6,38 Mio. EUR
OCHA – Gesamtvolumen 2018:
      2,5 Mio. EUR

Die Situation der syrischen Flüchtlinge in Jordanien ist schwierig. Viele haben nach Jahren außerhalb der Heimat ihre Ersparnisse aufgebraucht und sind besonders bedürftig. Rund 86% der Flüchtlinge in den Gastgemeinden leben unterhalb der Armutsgrenze. Mit besonderer Sorge verfolgt das Auswärtige Amt die Situation der im Niemandsland (Berm) an der nordöstlichen syrisch-jordanischen Grenze gestrandeten Menschen.

Die Maßnahmen der humanitären Hilfe Deutschlands zur Unterstützung von NRO’s in Jordanien konzentrieren sich auf bedürftige Flüchtlinge, insbesondere außerhalb der Flüchtlingslager und nutzen dabei auch Bargeldüberweisungen. Sie ergänzen die umfangreichen Programme der Vereinten Nationen bei der Sicherstellung einer humanitären Grundversorgung.

Beispiele humanitärer Hilfsleistungen 2018

  • Lebensmittelhilfe für syrische Flüchtlinge innerhalb und außerhalb der Flüchtlingslager (Zaatari und Azraq)
  • Trainings zur Generierung von Einkommen für Jordanier*innen und syrische Flüchtlinge
  • Gesunde Schulmahlzeiten für Schüler in den Flüchtlingslagern Zaatari und Azraq
  • Verteilung von Gutscheinen für Lebensmittel und Hygieneartikel an Syrer und Jordanier in fünf verschiedenen Governoraten
  • Monatliche Bargeldüberweisungen für syrische Flüchtlinge in Madaba
  • Medizinische Untersuchungen und Betreuung für syrische Flüchtlinge
  • Ausgabe von Gutscheinen für Lebensmittel und ernährungsbezogenen Informationen an Haushaltsvorstände
  • Geldüberweisung und Beratung bzgl. Vorbereitung auf den Winter
  • Schutz und Integration älterer Personen

Engagement des BMUB

Auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) hat Jordanien gegenüber 2017 Neuzusagen in Höhe von 12,17 Mio. EUR gemacht. Es handelt sich hierbei um nationale und regionale Projekte in den Bereichen

  • Umweltschutz
  • Energieeffizienz und alternative Energien
  • Klimawandel

Auch die 16 deutschen Länder haben vielfältige entwicklungspolitische Beziehungen und Partnerschaften.

Deutsche Länder in der Entwicklungspolitik

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