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Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

01.03.2018 - Artikel

Die Entwicklungszusammenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil in den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Jordanien.

Einführung

Jordanien gehört zur Gruppe der Länder mit niedrigerem mittlerem Einkommen (3.920 USD in 2016) und hat eine Bevölkerung von 9,5 Mio. (Zensus Dez. 2015). Jordanien verfügt über wenig natürliche Ressourcen (Phosphat, Pottasche und Ölschiefer) und sehr begrenzte landwirtschaftliche Nutzflächen (11,9%). Das Land leidet unter großer Wasserarmut. Jordaniens Wirtschaft ist eng mit denen seiner Nachbarn, vor allem in der Golfregion, verflochten. Nachdem das Wirtschaftswachstum im 2. Quartal 2017 bei 2,3% lag, schätzt die Weltbank die Wachstumsraten auf 2,6% in den Jahren 2017-19. Ressourcenarmut und Abhängigkeit von ausländischen Geberleistungen, Rücküberweisungen von Auslandsjordaniern, ausländischen Direktinvestitionen und Tourismus machen Jordanien anfällig für externe Schocks.

Herausforderungen

Die politische, wirtschaftliche und soziale Situation Jordaniens wird stark von der Syrienkrise und anderen regionalen Entwicklungen überschattet. Die Konflikte in Syrien und Irak haben zu einem Einbruch von Handel und Wirtschaftswachstum geführt, vor allem aber zu einem starken Zustrom an Flüchtlingen. Rund 655.000 beim UNHCR registrierte syrische Flüchtlinge bedeuten eine erhebliche Belastung für den jordanischen Staat und die jordanische Bevölkerung. Rund 78,5% der Flüchtlinge leben nicht in Flüchtlingslagern, sondern in aufnehmenden Gemeinden und konkurrieren dort mit unteren Einkommensschichten der lokalen Bevölkerung um Wasser, Wohnraum, Arbeitsplätze und soziale Dienstleistungen wie Schulbildung und Gesundheitsversorgung. Die Auswirkungen des Flüchtlingsstroms auf den Staatshaushalt, das soziale Gefüge, die Wirtschaft und die Infrastruktur sind spürbar. Die Bereitschaft der jordanischen Bevölkerung, Flüchtlinge aufzunehmen hat erheblich nachgelassen.

Neuzusagen 2017 in Mio EUR
Neuzusagen 2017 in Mio EUR © (c) Botschaft Amman

Deutsche Zusammenarbeit in Jordanien

Seit 1959 arbeitet Deutschland in enger Partnerschaft mit Jordanien. Der erste Bereich der Zusammenarbeit war der Wassersektor. Seit Beginn der Syrienkrise hat Deutschland seine Unterstützung auf andere Bereiche wie Bildung, Beschäftigungsförderung und die humanitäre Hilfe ausgeweitet. Neben dem Schwerpunkt Wasser richtete Deutschland deshalb im Jahr 2015 einen neuen Schwerpunkt Bildung / Beschäftigungsförderung in der Entwicklungszusammenarbeit ein. In jährlich stattfindenden Regierungsverhandlungen zwischen Deutschland und Jordanien werden aktuelle politische Themen besprochen und neue Zusagen gemacht.

Entwicklungszusammenarbeit des BMZ

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) arbeitet in Jordanien mit der BGR, der GIZ, der KfW und anderen Organisationen wie UNICEF, WFP und ILO zusammen. Das gesamte mehrjährige Portfolio ist zwischenzeitlich auf 1601,36 Mio. EUR und 121 Projekte angewachsen und auf folgende Bereiche aufgeteilt:

Wasser - Portfolio: 1035,91 Mio. EUR, 61 Projekte, z.B

  • Wasserversorgung für Kommunen / Landwirtschaft,
  • Energieeffizienz,
  • Wasserwirtschaft,
  • Anpassung an den Klimawandel

Abfallwirtschaft – Portfolio: 109,45 Mio. EUR, 11 Projekte, z.B

  • Abfallmanagement
  • Recycling
  • Abfallsammlung

Bildung - Portfolio: 186,77 Mio. EUR, 14 Projekte, z.B.

  • Schulbau / –rehabilitierung / - instandhaltung
  • In-/formelle Bildung (UNICEF)
  • Schulessen (WFP)

Beschäftigungsförderung - Portfolio: 112,6 Mio. EUR, 17 Projekte, z.B. 

  • Arbeitsmarkt-Dienstleistungen
  • Export-Förderung
  • Stipendien
  • Berufsbildung
  • Arbeitsintensive Programme im Rahmen der Partnership for Prospects (P4P) (z.B. durch ILO)

Gestaltungsspielraum, z.B. Umwelt und Energie - Portfolio: 162,63 Mio. EUR, 18 Projekte, z.B.

  • Umwelt
  • Energie (z.B. Photovoltaik-Anlagen)
  • Psychosoziale Unterstützung
  • Finanzielle Inklusion

Humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amts

In der humanitären Hilfe arbeitet das Auswärtige Amt eng mit den Vereinten Nationen sowie mit NGO-Partnern zusammen. Die größten Implementierungspartner sind derzeit:

WFP - Gesamtvolumen 2017:
76 Mio. EUR
UNHCR – Gesamtvolumen 2017:                       
32 Mio. EUR
IKRK – Gesamtvolumen 2017:
13 Mio. EUR
NGO’s – Gesamtvolumen 2017:
  2 Mio. EUR
OCHA – Gesamtvolumen 2017:
  3 Mio. EUR

Die Situation der syrischen Flüchtlinge in Jordanien ist schwierig. Viele haben nach Jahren außerhalb der Heimat ihre Ersparnisse aufgebraucht und sind besonders vulnerabel. Rund 86% der Flüchtlinge in den Gastgemeinden leben unterhalb der Armutsgrenze. Mit besonderer Sorge verfolgt das Auswärtige Amt die Situation der im Niemandsland (Berm) an der nordöstlichen syrisch-jordanischen Grenze gestrandeten Menschen.

Die Maßnahmen der humanitären Hilfe Deutschlands zur Unterstützung von NGO’s in Jordanien konzentrieren sich auf vulnerable Flüchtlinge, insbesondere außerhalb der Flüchtlingslager und nutzen dabei auch Cash Transfers. Sie ergänzen die umfangreichen Programme der Vereinten Nationen bei der Sicherstellung einer humanitären Grundversorgung.

Beispiele humanitärer Hilfsleistungen 2017

  • Lebensmittelhilfe für syrische Flüchtlinge innerhalb und außerhalb der Flüchtlingslager (Zaatari und Azraq)
  • Skills training und Asset Creation für Jordanier und syrische Flüchtlinge
  • Gesunde Schul-Mahlzeiten für Schüler in den Flüchtlingslagern Zaatari und Azraq
  • Verteilung von Gutscheinen für Lebensmittel und Hygieneartikel an Syrer und Jordanier in 5 verschiedenen Governoraten
  • Monatliche Cash Transfers für syrische Flüchtlinge in Madaba
  • Medizinische Untersuchungen und Betreuung für syrische Flüchtlinge
  • Ausgabe von Gutscheinen für Lebensmittel und ernährungsbezogenen Informationen an Haushaltsvorstände
  • Cash Transfers und Beratung bzgl. Vorbereitung auf den Winter
  • Schutz und Integration älterer Personen

Engagement des BMUB

Auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) hat Jordanien gegenüber 2017 Neuzusagen in Höhe von 12,17 Mio. EUR gemacht. Es handelt sich hierbei um nationale und regionale Projekte in den Bereichen

  • Umweltschutz
  • Energieeffizienz und alternative Energien
  • Klimawandel

Auch die 16 deutschen Länder haben vielfältige entwicklungspolitische Beziehungen und Partnerschaften.

Deutsche Länder in der Entwicklungspolitik

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